Kategorie: Journalismus

Protest weltweit: Internationale Petition unterstützt Netzpoltik.org

Die „Verdacht des Landesverrats“: Generalbundesanwalt ermittelt gegen Markus Beckedahl und Andre Meister von Netzpolitik.org haben zu einer noch nie da gewesenen Solidarität geführt: Nahezu alle deutschen Medien haben sich mit den unter Verdacht des Landesverrats stehenden Kollegen solidarisiert (Ausnahmen bestätigen die Regel). Doch nicht nur hierzulande ist die Aufregung und Empörung (zurecht) groß. Auch international erregt der Fall aufsehen. Das lässt sich unter anderem an der von Jacob Appelbaum gestarteten Petition ablesen lässt. Unter den Unterzeichnern finden sich prominente Namen wie Julian Aussange (Wikileaks), Glenn Gruenwald (The Intercept) und Jeff Jarvis (Professor für Journalismus). Die Unterzeichner kommen aus der ganzen Welt. Der Zähler steht aktuell bei knapp 900.

Der Wortlaut der Petition:

„Die Ermittlungen gegen die Redaktion Netzpolitik.org und ihrer unbekannten Quellen wegen Landesverrats sind ein Angriff auf die Pressefreiheit. Klagen wegen Landesverrats gegen Journalisten, die lediglich ihrer für die Demokratie unverzichtbaren Arbeit nachgehen, stellen eine Verletzung von Artikel 5 Grundgesetz dar. Wir fordern die sofortige Einstellung der Ermittlungen gegen die Redakteure von Netzpolitik.org und ihrer Quellen.“

Die Petition soll aber nicht nur Journalisten vorbehalten sein. Jeder ist aufgerufen sich zu beteiligen und zu unterschreiben unter Netzpolitik.us.

 

 

Freie Lizenzen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Rechte der Konsumenten stärken ohne die Rechte der Autoren zu beschneiden

Vergangenen Freitag, genauer am 4. April, habe ich eine Replik auf den Text „Freie Lizenzen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ von Tobias Schwarz verfasst, die dann am Sonntag von Carta.info übernommen wurde. An dieser Antwort entbrannte noch am Freitag ein kurzer, aber recht deutlicher Schlagabtausch. Auf den Ton und die Art des Gesprächs möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, ebenso wenig wie auf Form und Ton der am Montag erfolgten Antwort von Tobias Schwarz. Aber ich möchte gern auf die Aspekte eingehen, die in der Twitter-Diskussion, dem neuerlichen Blogsposts Schwarzs und nicht zuletzt in den Kommentaren auf Carta.info angesprochen wurden.

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Freiheit und Freibier: Öffentlich-rechtliche Inhalte unter freie Lizenzen stellen

Man hätte es für einen Aprilscherz halten können, aber es war keiner. Am 1. April 2014 veröffentlichte Tobias Schwarz, u.a. Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Netzpolitik von Bündnis 90/Die Grünen Berlin, einen Beitrag auf Carta.info, in dem er die Einführung „Freie(r) Lizenzen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ fordert. Es müssten seiner Meinung nach „… die von der Allgemeinheit finanzierten Inhalten dieser auch zur Nutzung unter einer freien Lizenz offen zugänglich gemacht werden“. Doch ihm geht es nicht (nur) um die Zugänglichkeit der Inhalte (die ja bekanntlich durch eine Initiative der privaten Medien bzw. diverser Verleger eingeschränkt wurde), sondern um eine Lizenz, die es möglich macht, die Inhalte komplett und auszugweise (auch kommerziell) weiterzuverwenden.

An dieser Stelle frage ich mich: Hat Schwarz hier ein wenig weiter gedacht? Oder sieht er die Inhalte nur aus Konsumentensicht und aus Sicht von Wikipedia & Co? Denn was wären die Konsequenzen für diejenigen, die die Inhalte im öffentlich-rechtlichen Programm produzieren?
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Richtig so! Auslandskorrespondenten der TAZ streiken

Es ist ja nicht so, dass in der Medienwelt immer Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Doch in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten – so zumindest war mein Empfinden – spitzte sich die Lage immer weiter zu. Redaktionen wurden verkleinert und zusammengelegt – natürlich litt darunter nie die Qualität, wie sich alle Herausgeber von Zeitungen beeilten zu versichern. Doch ob Berliner Zeitung oder WAZ, überraschen konnte mich das meist nicht mehr. Es ist schon irgendwie zur Gewohnheit im täglichen Medienwahnsinn geworden. Doch nun hat die Tageszeitung, die ich zwar eher selten konsumiere, aber trotzdem schätze, einen Schritt getan, den ich ihr nie zugetraut hätte.

Es verhielt sich wie folgt (Detailliert nachzulesen auf den Seiten der Freischreiber): In dieser Woche bekamen die 14 per Pauschalvertrag bei der TAZ beschäftigten Auslandskorrespondenten ihre Verträge gekündigt. Doch nicht nur das. Im gleichen Atemzug bekamen sie neue Verträge angeboten – selbstredend zu deutlich schlechteren Bedingungen. Danach würden sie bei gleicher Arbeitsleistung bis zu 28 Prozent weniger verdienen. Eine Einbuße, die ich leider nur zu gut nachvollziehen kann.

So weit, so schlecht. Was mich nun wirklich beeindruckt hat, war die Reaktion der Betroffenen. Statt wie sonst üblich im Geschäft der Medienschaffenden wurde nicht der Kopf in den Sand gesteckt, sondern die Korrespondenten gingen in die Offensive. Sie erklärten:

Unter dem Titel: „Taz-KorrespondentInnen suchen weitere Arbeit“ werden wir uns vom Mittwoch, dem 15.9.2010 bis zur Genossenschaftsversammlung am 18.9.2010 nach weiteren Erwerbsquellen umsehen.

Streik! Seit Ewigkeiten das erste Mal, dass Journalisten in den Streik treten. Keine Gefasel von wegen „Oh Gott, dann bekomm ich ja bald gar keine Aufträge mehr“ oder „Hauptsache nicht ganz raus“. Nein, Streik! Das nenn ich Chuzpé!

Und um dem Ganzen noch einen drauf zu setzen, bloggte einer der Korrespondenten heute noch eine gar wirklich witzige Meldung über die Photoshop-Arbeit der ägyptische Regierungszeitung Al-Ahram. Und dabei gibt der Autor der TAZ gleich noch ordentlich einen mit (via Fefe):

Tja peinlich für Al-Ahram. Blöd auch für die taz, dass, das nicht als Korrespondentenbericht auf ihren Seiten erscheint.

Die ganze Geschichte über die Verträge und Streik samt Erklärung der Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten ist auf den Seiten der Freischreiber zu nachzulesen. Das veröffentlichte Kommuniqué (also die Erklärung via Youtube) ist nach dem Break zu sehen.

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